Sarah Schiffer                                                                                                              01.12.2003, 1. Stunde

Stundenprotokoll

Goethe in Weimar

Als Goethe am 01.11.1775 in Weimar ankam, nachdem er Frankfurt und seine Familie hinter sich gelassen hatte, dachte er noch nicht daran, an diesem Ort, der ihm wie ein kleines, unkultiviertes Dorf vorkam (unbefestigte Straßen) dauerhaft zu bleiben.

Der mit 26 Jahren durch seinen „Werther“ in ganz Europa berühmt gewordene Schriftsteller nahm auf Grund einer Einladung am Hofleben, das in nahezu bürgerlichem Rahmen stattfand (das Schloss war zuvor abgebrannt) teil. Die Freundschaft zwischen dem jungen Herzog Karl August und Goethe führte zu Entrüstung in der Bevölkerung. Viele neideten Goethe seine Favoritenrolle beim Herzog.

Als engster Vertrauter Karl Augusts nahm Goethe auch an den Tafelrunden teil, dort begegnet er der sieben Jahre älteren Charlotte von Stein, an der er sofort großes Gefallen fand. Diese versuchte ihn als „mütterliche Freundin“ von seinen schlechten Angewohnheiten, wie Fluchen und Trinken abzubringen.
Herzog Karl August schenkte Goethe fünf Monate nach seiner Ankunft ein „Gartenhaus“ im Park an der Ilm, welches nahe dem Hause von Charlotte lag; Goethe beschließt, dauerhaft in Weimar zu bleiben. In seinem Haus empfing Goethe viele Besucher, saß dort aber auch oft allein, seine Gedanken waren dann bei Charlotte, die nah (nur über die Brücke) und doch fern war (verheiratet, sieben Kinder), er schickte ihr täglich mehrere Nachrichten. Charlotte erwiderte zwar Goethes Gefühle (platonisch), macht ihm jedoch klar, dass ihre Ehe unantastbar sei.

Goethes Naturverbundenheit fand darin Ausdruck, dass er im Freien schlief und in der Ilm zu jeder Jahrezeit badete.

Karl August legte sämtliche Bereiche der Staatsverwaltung in Goethes Hand, was bei der Bevölkerung Widerstand hervorrief, jedoch konnte er die Kritiker durch sein Können überzeugen.

Goethe führte als maitre de plaisir am Hof Theaterstücke auf, er selbst und Karl August spielten die männlichen Hauptrollen.

1782 wurde „Die Fischerin“ aufgeführt. Corona Schröter, welche die Lieder zum Stück geschrieben hatte, wurde von Goethe an den Hof geholt. Goethe verliebte sich in sie, wusste aber, dass auch der Herzog in sie verliebt war, so verzichteten beide auf eine Beziehung mit ihr. In der Uraufführung von „Iphigenie auf Tauris“ spielt der Herzog Pylades, Goethe selbst den Orest und Corona Schröter die Iphigenie.

Die emotionale Bindung an Charlotte von Stein ließ es Goethe nicht zu, eine eigene Familie zu gründen. Im Schloss der Familie von Stein, südlich von Weimar gelegen, war Goethe als Freund der Familie jederzeit willkommen. Er nahm sogar an der Erziehung der Kinder teil, sein Lieblingskind Fritz lebt sogar zeitweise mit Goethe in dessen Gartenhaus.

Als Goethe sieben Jahre in Weimar war, wurde ihm durch den Herzog der Adelstitel verliehen, was wiederum den Neid selbst gestandener Republikaner hervorrief.
Goethes Mutter bittet in einem Brief um eine Stadtwohnung für ihren Sohn, denn er habe ja auch in Frankfurt in der Stadt gelebt. Auf Grund des großen Wohlwollens am Hof ihm gegenüber wird ein Haus in der Stadt nach seinen Wünschen umgestaltet; jedoch gab er sein Gartenhaus nicht auf.

Der Umgang zwischen Karl August und Goethe wurde immer schwieriger, denn der Herzog ließ sich nicht mehr so viel von Goethe sagen.

Im Herbst 1786 brach Goethe ohne sich von Charlotte und Karl August zu verabschieden nach Italien auf. Als er nach zwei Jahren zurückkehrte, verzieh ihm Charlotte nicht, obwohl er ihr regelmäßig Briefe geschrieben hatte. Nach der Rückkehr behält Goethe zwar seine Ämter bei, widmet sich jedoch mehr den Künsten und Wissenschaften.

Er verabredete sich heimlich mit der 23 jährigen Christiane Vulpius. Als Charlotte von dem Verhältnis erfährt, reagiert sie eifersüchtig. Goethe bittet sie um Vertrauen und ihre Hilfe, damit das Verhältnis nicht zu intensiv wird, doch diese versteht seinen „Hilferuf“ nicht.

Goethe heiratete seine Christiane erst am 19.10.1806, nachdem sie bereits 17 Jahre zusammengelebt hatten, sie bekamen mehrere Kinder, von denen jedoch nur August überlebte. Die Weimarer Gesellschaft ignoriert die Beziehung.

Goethe geht ohne Frau und Kind nach Jena, dort trifft er Schiller, die beiden werden Freunde. Schiller gibt seine Professur an der Universität auf und folgt Goethe zurück nach Weimar, dort stirbt er 1805, nachdem beide eine intensive, wechselseitig befruchtende Phase der Zusammenarbeit erlebt hatten.

Als Christiane Vulpius am 06.06.1816 stirbt, verfällt Goethe in tiefe Trauer und vertieft sich in seine Wissenschaften.